Betrachtet man heute das kirchliche Geschehen aus der Perspektive der Katholiken, die kaum Anteil am kirchlichen Leben haben und ca. 80 - 90 % der Mitglieder ausmachen, so kann man folgendes feststellen. Diese Getauften haben nur selten Kontakt mit der Kirche und zwar meistens zu den Hochfesten und bei den Kasualien, wie Taufe, Heirat, Kommunion, Firmung und Beerdigung. Eine Auseinandersetzung mit den Glaubensinhalten findet – wenn überhaupt – nur am Rande im privaten Umfeld statt. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass Kernelemente des christlichen Glaubens nicht mehr angenommen werden. Sie werden zumeist bei den Überlegungen zur Gestaltung des kirchlichen Lebens nicht einbezogen, sie werden nicht gefragt und geben auch keine Antwort, es sei denn man betrachtet ihren Kirchenaustritt als Antwort.

Auch aus der Perspektive der Gottesdienstbesucher sieht es nicht viel besser aus. Diese gehen zwar zur Kirche, mit ihnen wird jedoch nur selten kommuniziert, da sie sich fast immer als hörende Kirche verstehen und so behandelt werden. Rühmliche Ausnahmen sind Gesprächs- und Hauskreise, in denen regelmäßig über die persönlichen Glaubenserfahrungen gesprochen wird. Betrachtet man die ehrenamtlichen Gremien, so geht der Anteil an geistlichen Gesprächen und an der Mitwirkung bei der Neugestaltung von Kirche meist im organisatorischen Alltag unter.

Vorschläge zur Gestaltung von Kirche, die von der Basis der Getauften z. B. über Laienorganisationen an die Hierarchie herangetragen werden, finden nur selten Gehör in den Leitungsgremien der Kirche und führen zu zahlreichen Frustrationserfahrungen. Obwohl positiv zu vermerken ist, dass sich hier einiges bewegt.

Wenn Kirche ihr Grundamt ernst nimmt und Offenbarung zur Erfahrung werden soll, ist ein kontinuierlicher Dialog innerhalb der Kirche auf allen Ebenen und zwischen allen Ebenen notwendig. Dialog setzt voraus, dass die Gesprächspartner auf Augenhöhe miteinander reden. Augenhöhe setzt Wertschätzung und Vertrauen voraus. Wertschätzung der Person und Vertrauen darin, dass Gott sich in und durch jeden Menschen offenbaren möchte und dass jeder Getaufte einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung von Kirche und Welt leisten kann. Systemisch gesprochen: die Ressourcen sind bei den Betroffenen vorhanden.

Im wirtschaftlichen Umfeld wurde erkannt, dass viele Probleme nur sinnvoll bearbeitet werden können, wenn die Klienten eigenständige Lösungen finden.

Dieses Prinzip der Beteiligung ist m. E. wesentlich für jede künftige Entwicklung in der Kirche, wenn sie ihre Anliegen klären und ihren Sendungsauftrag erfüllen möchte.