Die "Offenbarung" kann nicht wie ein Glaubensbekenntnis vermittelt werden kann, sie kann nicht wie ein Geschenk unverändert an- und aufgenommen werden. Offenbarung geschieht im Hier und Jetzt. Dazu bedarf es immer einer Erfahrung im Dialog. Diese Offenbarung wird in jedem Gläubigen aufgrund seiner inneren Vorkonstrukte zu etwas Neuem und Einzigartigem wird, das gleichzeitig eine Bereicherung für die Gemeinschaft darstellt. Diese Art der Offenbarung ist ein sehr persönliches Geschehen, das den Betroffenen an seine inneren Schätze, an sein Seelenfünklein oder an den „Christus in uns“ führt und deshalb beachtet und respektiert werden will, wenn es sich äußert.

Wenn Offenbarung im Menschen und in der Kirche gelingen soll, braucht es im heutigen kirchlichen Kontext drei Voraussetzungen:

  • Wir benötigen eine dialogische Kirche in der sich alle Getauften auf und über alle Hierarchieebenen hinweg miteinander über ihre Erfahrungen im Glauben austauschen, als Gegenmodell zur heute vielfach erfahrenen „lehrenden und hörenden Kirche“.
  • Kirche versteht sich als pilgernde Gemeinschaft zwischen Heimat und Fremde. Sie weiß woher sie kommt und besitzt die Offenheit, nicht zu wissen, wohin sie gelangen wird. Da dieses kontinuierliche Offenbarungsgeschehen immer mit der Möglichkeit des Scheiterns verbunden ist, benötigt Kirche Mut und Vertrauen. Mut, Neues zuzulassen auch mit dem Risiko des Scheiterns. Und Vertrauen, dass die Getauften alle Gaben und Charismen besitzen, die zum Offenbarungsgeschehen notwendig sind.
  • Alle Gesprächspartner sind im Dialog gleichberechtigt und werden mit ihrer Erfahrung respektiert und ernst genommen und werden so zu einem lernenden und möglicherweise auch staunenden System, das Gott für seine großen Taten preisen kann.